Umweltmanagement in der Evangelischen Kaufmannsgemeinde Erfurt

Als Kirche tragen wir in besonderer Weise Verantwortung für die Schöpfung. Ebenso wie unser individuelles Handeln hat auch alles Handeln in der Gemeinde Auswirkungen auf unsere Umwelt. Der Grüne Hahn steht für ein speziell für Kirchen und kirchliche Einrichtungen entwickeltes Umweltmanagementsystem, das helfen soll, diese Auswirkungen systematisch zu erfassen und zum Positiven hin zu bewegen. Wir wollen dieses Umweltmanagementsystem in der Kaufmannsgemeinde einführen.

Welche Ziele wollen wir erreichen?
Ganz entscheidend ist, dass es sich beim kirchlichen Umweltmanagement um ein Thema handelt, das die ganze Gemeinde betrifft. Wir alle müssen uns des Themas bewusst sein und auch bereit sein, notwendige Änderungen mitzugehen. So ist das erste und wichtigste Ziel, möglichst viele Menschen in unserer Gemeinde an dem Prozess der Einführung des Umweltmanagementsystems zu beteiligen.

Die weiteren Ziele werden während des Einführungsprozesses definiert. Dabei geht es einerseits um unsere Umweltbelastungen, die verringert werden sollen. Das sind z.B. der Energie- und Wasserverbrauch sowie die Beanspruchung anderer Ressourcen (Büromaterial, Lebensmittel, … etc.). Andererseits wollen wir Umweltleistungen erbringen und weiterentwickeln. Das sind Dinge, die sich positiv auf die Umwelt auswirken, z.B. ökologisch wertvolle Maßnahmen auf unseren Grundstücken, Erzeugung von erneuerbarer Energie und anderes mehr.

Auf den Weg machen …

Mit dem Zusammenfinden einer Umweltgruppe, der Vorstellung des Grünen Hahns in der Gemeinde und einem Beschluss des Gemeindekirchenrates (GKR) haben wir uns 2023 auf den Weg gemacht, in der Kaufmannsgemeinde ein Umweltmanagementsystem einzuführen. Wir sind gespannt, wohin uns dieser Weg führt, und freuen uns über Ihr Interesse und Mitwirken. Bis zur Zertifizierung gibt es zehn Etappen, die wir Schritt für Schritt durchlaufen werden und zu denen wir hier berichten:

Der Anfang des Prozesses besteht darin, dass sich Interessierte aus der Gemeinde zusammenfinden, sich über den Grünen Hahn informieren und die ersten Schritte planen. Erste Treffen der Umweltgruppe der Kaufmannsgemeinde fanden ab Sommer 2023 statt. Am 1.11. wurde das Konzept Grüner Hahn in der Gemeindeversammlung vorgestellt (s. 2. Schritt). In seiner Sitzung am 13.11.2023 hat der Gemeindekirchenrat den Beschluss gefasst, in der Kaufmannsgemeinde ein Umweltmanagementsystem einzuführen und den Grünen Hahn anstreben zu wollen. Als Umweltmanagementbeauftragte wurde Dr. Margret Seyboth benannt, die im Jahr 2021 die Ausbildung zur kirchlichen Umweltauditorin absolviert hat.

Bei der Gemeindeversammlung am 1.11.2023 stellte die Umweltgruppe den anwesenden Gemeindemitgliedern das Konzept Grüner Hahn vor. Dies war die Auftaktveranstaltung für die Einführung des Umweltmanagementsystems. Im Nachgang gab es einen Beitrag im Gemeindeblatt “mercatorum”, um alle Gemeindemitglieder darüber und über den GKR-Beschluss zu informieren.

Aktuell findet über die Webseite und über Aufsteller in der Kirche und in den Gemeindehäusern eine Umfrage statt, über die Ideen und Wünsche für mehr Schöpfungsbewahrung in der Kaufmannsgemeinde mitgeteilt werden können.

Der nächste Schritt ist nun die Erarbeitung von Schöpfungsleitlinien, die in allgemein gehaltener Form beschreiben, in welche Richtung sich die Kaufmannsgemeinde im Wahrnehmen ihrer Schöpfungsverantwortung kontinuierlich verbessern will. Sie sind praktisch das „Glaubensbekenntnis“ im Umgang mit der Schöpfung und bilden die Basis für alle Aktivitäten im Rahmen des Umweltmanagements.

Um eine breite Grundlage in der Kirchengemeinde zu erreichen, sollten möglichst viele Gemeindemitglieder an der Erarbeitung und Formulierung der Schöpfungsleitlinien beteiligt sein. Sie sind dann durch den Gemeindekirchenrat zu beschließen und werden Bestandteil der abschließenden Umwelterklärung.

Das Handeln einer Kirchengemeinde hat Auswirkungen auf die Umwelt: negativ in Form von Umweltbelastungen, positiv als bereits praktizierter Umweltschutz. Bei der Bestandsaufnahme geht es darum, diese Aktivitäten zu erfassen und so in ein System zu bringen, dass eine kontinuierliche Verbesserung möglich wird.

Dies geschieht mittels Checklisten, Ortsbegehung und Befragung der haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden. Ein zusammenfassender Bericht der Ergebnisse nennt auch Kennzahlen. Diese helfen zu bewerten, wo der größte Handlungsbedarf besteht und welche weiteren Maßnahmen sinnvoll und nötig sind.

Die Bewertung der erfassten Umweltaspekte erfolgt im fünften Schritt. Sie dient dazu, nachvollziehbar zu ermitteln, wo der größte Handlungsbedarf für die nächsten Jahre besteht und welche Maßnahmen überhaupt realisierbar sind. So soll Wichtiges von weniger Wichtigem und Machbares von nicht Machbarem unterschieden und geklärt werden, was zuerst angepackt werden muss.

Auf der Grundlage der Schöpfungsleitlinien und der Bewertung der Bestandsaufnahme wird das Umweltprogramm entwickelt. Es beschreibt messbare Zielwerte und konkrete Maßnahmen, mit denen die Kirchengemeinde ihre Verantwortung für die Schöpfung wahrnehmen und im Handeln ständig verbessern möchte.

Hierfür werden auch Zuständigkeiten und Zeitvorgaben für die Bearbeitung der einzelnen Handlungsschritte sowie Erfolgsindikatoren festgelegt. Außerdem ist sicherzustellen, dass eine eventuell nötige Finanzierung vorhanden ist. Das Umweltprogramm wird i.d.R. für die Dauer von vier Jahren entwickelt und mindestens jährlich im internen Audit überprüft und ggf. verändert und ergänzt. Auch das Umweltprogramm ist vom Gemeindekirchenrat zu beschließen.

Um alle aktuellen und künftigen Einzelmaßnahmen zu regeln, braucht es „Organisation“ – das macht das Umweltmanagementsystem aus: Es regelt im Detail alle Abläufe, Zuständigkeiten, was zu beachten und zu tun ist.

Vieles ergibt sich aus den bisherigen Schritten. Weitere Schritte legen Verantwortliche fest für die Durchführung von neu geplanten Maßnahmen, für regelmäßige Erfolgskontrollen und für die Weiterentwicklung des Umweltmanagementsystems in der Gemeinde. Wichtig ist: Nicht das System, sondern das Wohl der Menschen und ihrer Lebensumwelt steht im Mittelpunkt. Die systematische Herangehensweise dient dafür lediglich als Hilfestellung.

Mit der Umwelterklärung wird die Öffentlichkeit über das kirchliche Umweltmanagement in der Kirchengemeinde informiert. Sie enthält mindestens die Beschreibung der Kirchengemeinde, die Schöpfungsleitlinien, den Aufbau des Umweltmanagementsystems, die wesentlichen einzuhaltenden bindenden Verpflichtungen, die aktuellen Kennzahlen und Kernindikatoren, die Beschreibung der wesentlichen Umweltaspekte sowie die für die kommenden Jahre gesteckten Ziele und geplanten Maßnahmen mit Verantwortlichkeiten.

Der Entwurf wird zuerst dem / der Umweltrevisor*in vorgelegt und nach dessen / deren Freigabe veröffentlicht. Damit erhalten Gemeindeglieder, Öffentlichkeit und Presse am Umwelterfolg der Kirchengemeinde Anteil.

Vor der ersten externen Prüfung steht eine Überprüfung des gesamten Systems an – das “interne Audit”: Klappt alles? Weiß jede*r, was zu tun ist? Hier können noch Fehler korrigiert und das Nötige aktualisiert werden. Abschließend wird der Gemeindekirchenrat informiert, der zu den Ergebnissen Stellung nehmen soll. Ein internes Audit wird dann jährlich durchgeführt.

Der letzte Schritt ist die externe Prüfung durch eine kirchlich geschulte und zugelassene Person (Umweltrevisor*in). Diese kommt in die Kirchengemeinde, redet mit dem Umweltteam und den Mitarbeitenden, prüft die erstellten Unterlagen und die Umwelterklärung und stellt am Ende ein Zertifikat aus.

Die Mitgliedschaft im Netzwerk Kirchliches Umweltmanagement (KirUm) ist Voraussetzung zur Erlangung des Grünen Hahns.

Die Umweltgruppe der Gemeinde:

Unsere Umweltgruppe besteht im Moment aus sechs Personen:
Anne Wust, Hermann Gubelt, Margret Seyboth, Martina Ludwig, Pedro Theurich und Renate Borrmann.
Wir treffen uns regelmäßig zur Bearbeitung der weiteren Schritte im Prozess.
Weitere Interessierte sind herzlich willkommen!